Der Beinwell / Der Meister der unsichtbaren Leiden

Der Beinwell / Symphytum officinale

Was für eine faszinierende Pflanze er doch ist. Ich hatte schon immer einen ganz besonderen Respekt vor ihm – so kraftvoll ist er.

Der Beinwell / Symphytum officinale

Bis jetzt hatte ich jedoch wenig Kontakt zu ihm. Ich mache zwar immer Beinwellsalbe, falls sich in meiner Familie jemand verletzen sollte, habe aber selbst noch keine Anwendung hinter mir. Für Freunde mache ich des öfteren die Salbe und sie sind sehr erfreut, über die wohltuende und schmerzlindernde Wirkung des Beinwells.

Doch heuer ist es irgendwie anders. Heuer ist vieles irgendwie anders. Seit gestern habe ich intensiven Kontakt mit dem Beinwell. Warum? Das will ich dir kurz erzählen. Ich bin wohl ein Meister der unsichtbaren Leiden. Meine (Autoimmun)Erkrankungen sieht man mir nicht an. Ich habe seit über 17 Jahren Diabetes Typ1, das bedeutet mehrmals täglich für jegliche Mahlzeit Insulin zu spritzen und den Blutzucker auszubalancieren. Klar, man gewöhnt sich dran, schei** ist es trotzdem. Und ich habe seit ca. 21 Jahren Sarkoidose. Die Krankheit „schläft“ zum Glück die meiste Zeit. Die letzten paar Jahre hatte ich Ruhe. Doch seit zwei Tagen bin ich geplagt von furchtbaren Gliederschmerzen, speziell im Schienbein und in der Hüfte. Die Lymphknoten am Hals sind geschwollen und ich fühl mich wie getreten. Ein richtiger Schub sozusagen… Sehen tut man nichts, außer den kleinen Knoten an den Unterschenkeln, die erkennt man aber nur beim genauen Hinsehen. Auch Depressionen und Migräne sind übrigens unsichtbar…

Soweit so gut. Viele sagen ja, man sucht sich diese Dinge in gewisser Art und Weise selber aus. Also warum diese unsichtbaren Leiden? Was will ich mir denn beweisen? Wie stark kann man sein, ohne dass jemand was davon merkt? Ich weiß, dass vieles nur durch diese Erfahrungen in mein Leben getreten ist. So ist es auch mit der Liebe zu den Pflanzen. Die war nicht immer da – ich war kein Naturkind, dass glücklich hüpfend durch die Wiesen streifte und schon von klein auf alles über die Pflanzen wusste. Nein, bei mir war das anders. Trotzdem hab ich jetzt genug. Ich bin auch ohne Schmerz und Leid in der Lage, in Verbindung mit den Wesenheiten der Natur zu treten. Mir reicht’s. Ich denke, dass es auch mit einem Leugnen des eigenen Selbst zu tun hat. Und das wird mir knallhart in den letzten Wochen immer stärker bewusst. Wie weit kann man sich eigentlich von sich selbst entfernen? Wie sehr kann man eigentlich sein eigenens Ich ins Eck drängen um den Erwartungen Anderer gerecht zu werden? Autoimmun bedeutet gegen sich selbst gerichtet. Es reicht. Ich reiche. Ich bin genug.

Punkt.

Die Blüten des Beinwell

Und seit gestern ist der Beinwell im Spiel. Ich bin ihm unendlich dankbar. Es wird nirgends berichtet über eine Anwendung, bei den durch die Entzündungen und Knötchen hervorgerufenen Schmerzen in den Beinen und der Hüfte, doch ich griff in meiner Verwzeiflung gestern zur Beinwellsalbe. Nach einigen Sekunden schon tritt die Erleichterungswelle wie ein Wasserfall ein und lindert die Schmerzen. Was für eine Wohltat. Er wirkt so stark lindernd, dass ich mit dreimaligem Eincremen halbwegs normal durch den Tag komme. Danke an dich – du Meister der Unsichtbaren Leiden!

Der Beinwell ist ein Raublattgewächs und enthält Pyrrolizidine. Deshalb sollte er nur äußerlich verwendet werden. Wenn du Beinwellsalbe in der Apotheke kaufst, ist das Beinwell, aus dem die Pyrrolizidine herausgefiltert wurden. Ob das Sinn macht, sei dahingestellt, du isst die Salbe ja nicht und du hast so leider nicht mehr die gesamte Pflanze vor dir. Du weißt ja schon, dass ich ein Verfechter der möglichst gesamten Pflanzenkraft bin 🙂 Verwendet für die Salbe wird die Wurzel. Die Rinde ist schwarz und die Wurzel fühlt sich schleimig an. Sie wird vorwiegend im Herbst gegraben, wenn die Pflanze sich wieder in die Erde zurückzieht, denn dann geht die Kraft wieder in die Wurzel zurück. Auch das Frühjahr würde sich zum Graben eignen. Wenn du ganz dringend etwas von der Salbe brauchst, kannst du natürlich auch zu anderen Zeiten die Wurzel graben.

Der Beinwell ist reich an Allantoin und Kieselsäure. Das Allantoin ist für die Haut wohltuend und die Kieselsäure hilft den inneren Geweben und den Knochen beim Heilen. Er wirkt stark entzündungshemmend und lindert Schmerzen augenblicklich. Wirklich – das ist echt unglaublich! Ich vermute, der Beinwell steht noch für viel mehr. Er ist lilablühend (der officinale – der heilkräftige Beinwell, denn es gibt auch gelb-, weiß- und blaublühende, die nicht verwendet werden) und alle lila / blaublühenden Pflanzen machen etwas mit der Seele des Menschen. Früher hätte man gesagt, er vertreibt Melancholie. Bei dieser Pflanze musst du dich wohl auf das Betrachten beschränken, außer du stellt eine Blütenessenz her, die ultrastark verdünnt ist. (In homöopathischer Dosis sind die Pyrrolizidine kein Problem mehr.)

Ich hoffe, ich konnte dir diese Pflanze ein wenig näher bringen. Wenn auch auf etwas ungewöhnliche Art und Weise. Doch so geht es mir, so kommen die Pflanzen zu mir, so lerne ich einen guten Teil von ihnen kennen. Ob das angenehm ist, sei dahingestellt. Ich nehme es einfach an. Und ich will mein Erfahren weitergeben. Wenn auch die Kurse momentan brach liegen, so bin ich froh schreiben zu können ❤

6 Kommentare zu „Der Beinwell / Der Meister der unsichtbaren Leiden“

  1. DANKE, liebe Nadine für dein DA SEIN und dein Teilen deiner – wie ich finde – so wichtigen und wertvollen – auch sehr persönlichen – Erfahrungen…

    Mit Sicherheit wird dies alles auch sehr vielen anderen Menschen – auf ihrem ganz eigenen Ent-Wicklungsweg – weiter helfen können…

    Für dich ganz persönlich, liebe Nadine, wünsche ich von Herzen ALLES Gute und wie schön, dass dein Wissen – speziell hier beschrieben mit dem Beinwell – nun auch dir selbst einmal zu Gute gekommen ist…

    Ich hoffe, es geht dir inzwischen auch wieder etwas besser…

    Herzliche Grüße
    Elke

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Elke,
      danke dir von ganzen Herzen für deinen lieben Kommentar! Ich freue mich sehr, wenn meine Erfahrungen und Erlebnisse etwas in Bewegung setzen. Das Schreiben erleichtert so vieles… Heute ist der erste Tag, an dem die Schmerzen nachlassen und ich wieder ein wenig in der Natur war 🙂
      Ganz liebe Grüße,
      Nadine

      Gefällt 1 Person

      1. Auf jeden Fall, liebe Nadine bringt das etwas in Bewegung!…

        Meine Erfahrungen sind da genauso… Ob mit Schreiben oder Reden und mit ganz authentischem Sein… damit kann man/frau wahrlich Herzen berühren… Fußspuren hinterlassen… sichtbar werden sie oft später…

        Wie schön, dass du heute auch wieder die Natur genießen konntest… Mutter Natur, sie wirkt wahrlich Wunder… sowohl im Innen als auch im Aussen…

        Wir (mein Mann und ich) haben bei unserem Spaziergan gestern den ersten Kuckuck gehört… heute den ersten Storch gesehen… und die Vielfalt der Vögel, ob sicht- oder hörbar… einfach nur schön! 😃

        ALLES LIEBE für dich!

        Sei ganz herzlich gegrüßt aus dem Brandenburger Land…

        Elke

        Gefällt 1 Person

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