Der Kräuterbuschen – Bündel binden zum Kräuterweihtag

Mein Kräuterbündel vom letzten Jahr

Die Tradition rund um den Kräuterbuschen ist uralt. Seit Jahrhunderten wird zu Maria Himmelfahrt die Kräuterweihe vollzogen, doch der Brauch wurzelt tiefer. Bereits bei den Kelten und Germanen wurden zu dieser Zeit im Jahr von den Kräuterfrauen, Schamanen und Hebammen die heilkräftigsten Kräuter gesammelt. Die Feste im Kräuterjahr hatten früher kein genaues Datum – man orientierte sich nach dem Mond. So wurden die wertvollsten Kräuter rund um den Augustneumond gesammelt. Jetzt nennt man die Zeit von Maria Himmelfahrt (15. August) bis Maria Namen (8. September) Frauendreißiger. Die Kräuter, die zu dieser Zeit gesammelt werden, sollen die größte Wirkung haben.

Es ist die Zeit im Jahr, wo die Sonne alles „niederbrennt“ und die Kräuter nur so strotzen vor lauter Sonnenenergie und ätherischen Ölen. Diese Energie, dieses Licht vermag uns auf allen Ebenen zu erneuern, gesund zu halten und auch unsere Umgebung (das Haus, die Wohnung, das Zimmer) vor schlechten Einflüssen zu schützen.

Diesem Sinn zur Folge wird auch gesammelt für das Bündel: Es kommen Heilpflanzen für Körper und Seele rein und auch Schutz- und Räucherpflanzen sind ein wichtiger Bestandteil im Kräuterbuschen.

Traditionell wird das Bündel dann in Küche, über der Tür oder im „Herrgottswinkel“ aufgehängt. Früher wurde dann bei Bedarf dem Vieh etwas davon ins Futter gemischt, bei Krankheit wurde Tee gekocht, zum Schutz vor Blitzschlag, Verzauberung und schlechten Einflüssen wurde ein Kräutlein verräuchert. Auch das Eheglück sollte das Bündel erhalten und so wurden auch Kräuter in das Kopfkissen oder unter der Matratze aufbewahrt.

Es gibt allerdings keine starren Regeln für dein Bündel und du kannst ganz intuitiv oder auch bewusst auf Heilwirkung ausgesuchte Pflanzen einbinden. Ich halte das gerne so, dass das Bündel für mich symbolischen Charakter hat: Es soll meine Familie und mich beschützen und wohlauf und gesund durch das kommende Jahr bringen. Für Tee bewahre ich die getrockneten Pflanzen lieber geschlossen auf. Dementsprechend klein kann so ein Bündel auch sein – bereits eine Pflanze des jeweils geliebten Krauts symbolisiert schon den gewünschten Effekt.

Die Anzahl der Kräuter im Bündel ist eine magische Zahl: 7, 9, 12 und sogar 77 oder 99 sind gängige Varianten für das Bündel. Die Zahlen haben alle einen symbolischen Charakter:

  • 7: die Zahl der Gestirne, die Zahl der Bewegung, Anzahl der Chakren im Körper;
  • 9: eine heilige Zahl, 3 x 3, steht für den göttlichen Urgrund, Symbol der Vollendung;
  • 12: eine magische Zahl, 12 Monate, 12 Tierkreiszeichen, die Uhr geht bis 12, eine heilige Zahl;
  • 77: ein Vielfaches von den Kräften der 7;
  • 99: ein Vielfaches von den Kräften der 9;

Typische Pflanzen für das Bündel sind: Königskerze (bildet oft die Mitte), Schafgarbe, Blutweiderich, Dost, Wasserdost, Mädesüß, Gänsefingerkraut, Eisenkraut, Goldrute, Beifuß, Wilde Möhre, Rohrkolben, Rainfarn, Wegwarte, Labkraut u.v.m.

Gesammelt wird immer mit allen Sinnen und der Bitte um Heilung, Schutz und Gutes. Natürlich auch mit Bedacht und Dankbarkeit, denn du solltest nur das mitnehmen, was du auch wirklich brauchst und von dem danach an Ort und Stelle noch genug vorhanden ist.

Kommt dann die Zeit Anfang August zum Kräuterbuschen binden, verwende ich den vom letzten Jahr sehr gerne zum Baden. Dafür koche ich einen kräftigen Absud und gieße ihn ins Badewasser. Wenn du eine Feuerstelle hast, ist es wunderschön das alte Bündel zu verbrennen und so nochmal den „Geist“ der Pflanzen hochleben zu lassen. So haben das auch unsere Vorfahren gemacht.

Im August strotzen die Wiesen vor lauter Heilkräutern.

Diesen Samstag binde ich im Workshop rund ums Kräuterbündel zusammen mit wunderbaren Frauen Bündel für das kommende Jahr. Ich freu mich sehr darauf, diesen wunderschönen Brauch weitergeben zu dürfen 🙂 Vielleicht bindest du heuer auch ein Bündel für dich und deine Lieben – ich wünsch dir viel Freude dabei ❤

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