Schlagwort-Archive: wurzelnsammeln

Die knotige Braunwurz / Scrophularia nodosa ~ Die Wurzelzeit

Die Braunwurz im Juni

Es ist Wurzelzeit – juhu! Noch bis Ende des Monats ist die beste Zeit im Jahr um heilkräftige Wurzeln zu graben. Warum im Herbst? Weil sich die Pflanze zurückzieht und ihre Kraft in der Wurzel sammelt. Warum nicht mehr im November? Das ist Ansichtssache. Einige graben den ganzen Winter über. Ich persönlich halte mich daran, ab Samhain (31. Oktober) bis Imbolc (Maria Lichtmess 02. Februar) keine Pflanzenteile zu sammeln. Die Natur ruht und die Pflanzen gehören der Unterwelt. Handhabe das, ganz wie du es möchtest. Spür in dich rein und du wirst sehen, ob sich das Sammeln nach dem Zeitpunkt für dich gut anfühlt oder nicht. Es gibt da kein Richtig oder Falsch 🙂

Die Wurzel mit ihren Knoten die als Signatur dienten.

Zurück zur heutigen Pflanze: Sie ist eine große Heilerin und Helferin. Die Braunwurz ist eher selten anzutreffen und kann sich hervorragend tarnen. (Ähnlich wie die Tollkirsche) Ihr unscheinbares Erscheinungsbild soll dich nicht trügen – sie steckt voller Heilkraft. Der lateinische Name verrät ihr Anwendungsgebiet. Skrofulose war eine Erkrankung, die Halsgeschwüre verursachte. Man behandelte sie mit der Braunwurz aufgrund der Signatur der Wurzel – sie weist ebenfalls Knoten auf. Heutzutage fand man heraus, dass sie tatsächlich entsprechend wirkende Inhaltsstoffe besitzt. Wie wundervoll ❤

Die Blüten der Braunwurz

Und sie kann noch mehr – sie wirkt stark antiviral. Speziell gegen Herpes Viren fährt sie ihre Geschütze aus und zwar gegen alle! (Zoster, genitalis und simplex) Auch bei Lymphknotenschwellungen kannst du sie verwenden und sie lindert die Schmerzen und Entzündungen im Körper. Generell wird sie äußerlich verwendet als Salbe. Wenn du es brauchst, kannst du die Tinktur oder den Tee für kurze(!) Zeit auch innerlich anwenden.

Nochmal als Anmerkung: Speziell bei geschwollenen Lymphknoten ist ärztliche Abklärung wichtig! Kräutermedizin sollte immer ergänzend und nach ärztlicher Abklärung der Beschwerden genommen werden.

Der Braunwurzmönch lässt es sich schmecken

Die Pflanze erkennst du auch an ihrem unverwechselbarem Geruch, wenn du die Blätter zerreibst. Eine Kursteilnehmerin sagte mal, sie riecht wie Brot – irgendwie trifft es das ganz gut 😀

Du findest sie in Wäldern, an lichten Stellen und gern an Wegrändern. Wie so oft warten die Pflanzen darauf, dass sie uns helfen können. Verwendet wird in erster Linie die Wurzel, die du ab Anfang September graben kannst. Solltest du im Sommer etwas von der Pflanze brauchen, kannst du auch ihre stark gerbstoffhaltigen Blätter für Tee oder Tinktur verwenden. Am heilkräftigsten ist ihre Wurzel. Ich setze die Wurzel in Doppelkorn an, lasse sie sechs Wochen im Dunklen ausziehen und schüttle das Glas jeden Tag. Danach verarbeite ich sie zur Salbe weiter um sie in praktischer Form bei der Hand zu haben, wenn der Herpes mal wieder keine Ruhe gibt. Sie ist ein toller Zusatz in einem Lippenpflegestift, wenn man vermehrt zu Fieberblasen neigt. Kräuter die ebenfalls gute Dienste bei diesem Leiden leisten sind: Johanniskraut, Melisse, Storchschnabel und Brunelle.

Ich wünsch dir viel Freude in der Natur. Sie zieht (wieder einmal) ihr schönstes Kleid an für dich ❤

Das Salomonsiegel / Die vielblütige Weißwurz – Die großen Lehrmeister

Das Salomonsiegel / Polygonatum odoratum

Der Schwarzspecht ist ein Kräutermann,

kennt manches Zauberkraut im Tann,

das im Verborgnen sprießet.

Er hält ob einer Wurzel Wacht,

die alle Schlösser springen macht

und jede Tür erschließet.

Gedicht von Rudolf Baumbach

Das Salomonsiegel ist eine durch und durch mystische Pflanze. Ihre Ausstrahlung ist zauberhaft, geheimnissvoll und stark. Sogar die gebrüder Grimm erwähnen die Pflanze in der Sage „Die Springwurzel“ und auch in anderen Märchen kommt sie vor. Man sagte ihr nach, sie könne alle Türen öffnen. Sie steht auch in enger Verbindung mit dem Specht.

Das Rhizom des Salomonsiegels – auch Siegelwurz genannt.

Betrachtet man die Wurzel genau, sieht man in regelmäßigen Abständen siegelartige Verdickungen. Kein Wunder, dass diese magische Wurzel zur Träumerei anregt!

Für mich ist die Pflanze ein großer Lehrmeister. Dazu möcht ich dir gerne eine Geschichte erzählen:

Letzten Herbst, war ich mit einer Bekannten im Wald zum Wurzelgraben. Sie wollte sich Siegelwurz mitnehmen, um eine Verletzungssalbe zu machen. Wir wurden fündig und sie begann zu graben. Eine, zwei, drei….sieben, acht, neun.. Ich fragte sie, ob sie eine Soldatenkolonie versorgen möchte, denn die Menge die sie grub war unfassbar groß. „Ich brauche das.“ Meinte sie nur darauf. Ich konnte dem nicht ganz folgen, denn mit der gegrabenen Menge konnte sie Salbe für sicherlich 40-50 Menschen herstellen. Das tat mir sehr weh.

Ein paar Wochen später, waren wir erneut unterwegs – allerdings an einem anderen Platz. Ich fragte sie, ob sie denn schon reichlich Tinkturen angesetzt hatte aus den Wurzeln. Sie meinte: „Nein, ich hab den Sack ganz vergessen und konnte ihn nicht mehr finden.“ Wow, so viele Wurzeln und dann noch einfach „vergessen“… Mir war klar, dass dies wohl unsere letzte Runde sein wird. Ich fotografierte ein wenig und merkte, dass sie erneut zu graben begann. Ich fragte sie, was sie mache. Sie sagte: „Ich grabe noch ein Salomonsiegel – ich brauch es ja!“ Ich kam näher und sah, dass sie eine Schwalbenwurz grub! Diese Pflanze ist, vorallem in der Wurzel tödlich giftig und führt zu einer Atemlähmung. Sie erschrak und ließ von der Pflanze ab.

Ich bekam Gänsehaut. Die Pflanze hatte ihr eine Lehre erteilt – ob sie es verstanden hat, weiß ich bis heute nicht (wir haben keinen Kontakt mehr). Mir hat es wieder einmal gezeigt, dass wir respektvoll mit unserer Umwelt umgehen sollen. Es ist nicht in Ordnung, einfach nur zu nehmen, ohne sich auch nur eine Sekunde darüber Gedanken zu machen, ob wir das auch wirklich brauchen.


Es gibt die vielblütige Weißwurz und das Salomonsiegel, welche sich sehr ähnlich sind. Die vielblütige Weißwurz hat mehrere Blüten an einer Stelle und duftet nicht – das Salomonsiegel hat je nur eine Blüte an einer Stelle und verströmt einen wundervoll, süßen Duft.

Die vielblütige Weißwurz / Polygonatum multiflorum

Beide Pflanzen sind in ihren oberirdischen Teilen giftig. Verwendet wird ausschließlich die Wurzel (das Rhizom) beider Pflanzen äußerlich. Sie ist eine großartige Heilerin für alle Sehnen, Bänder, Verknotungen, Verdickungen unter der Haut etc. Am besten machst du dir eine Tinktur daraus und verarbeitest sie weiter zu einer Salbe. Sie kann mit Beinwell gemischt in eine Verletzungs-, Sport-, Sehnensalbe eingearbeitet werden.

Im Herbst leuchten die gelben Blätter, der welkenden Pflanze richtig aus dem Waldboden. Oftmals hängen noch die dunkelblauen, giftigen Beeren an der Pflanze dran.

Das Salomonsiegel im Herbst.

Hast du diese magische Pflanze schon entdeckt? Ich wünsche dir eine zauberhafte Zeit im Oktober. Zwei Vollmonde begleiten uns in diesem Monat und bieten uns einen wunderbar kräftigen Raum um heilkräftige Wurzeln zu sammeln ❤