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Die Zauberkräuter: Der Fliegenpilz

Der Fliegenpilz / Agaricus muscarius

Der Fliegenpilz

Es wächst bei uns ein schöner Pilz-
Der schenkt so bunte Träume.
Er steht im Sommer und im Herbst
Oft unter Birkenbäume.

Er leuchtet rot-ist weiß getupft
Und einfach wunderschön.
Im Licht der Sonne ist er dann
Fantastisch anzuseh `n.

Wenn man die dünne Haut entfernt,
Von seinem roten Hut
Und eine viertel Stunde kocht-
Dann schmort,schmeckt er sehr gut.

Wenn man ihn trocknet ,wie er ist,
Und später dann verzehrt,
Werden die Sinne im Gehirn
Geheimnisvoll verwirrt.

Man hat sich in vergang `ner Zeit
Von ihm sogar ernährt;
in vielen Ländern wird er noch
Geschätzt und ist begehrt.

Doch Vorsicht! er hat etwas Gift,
Das hat man längst entdeckt,
Doch wenn man ihn korrekt serviert,
Er ausgezeichnet schmeckt.

Gedicht von Ewald Patz

Was empfindest du, wenn du einen Fliegenpilz siehst? Spürst du auch seine unbändige, verspielte Magie? Kein anderes Waldwesen ist so stark mit Magie, Geschichten und der Anderswelt verbunden wie der Fliegenpilz. Ich glaube der Fliegenpilz war der wichtigste unbewusste Begleiter meiner Kindheit. Meine Lieblingsgeschichte war Alice im Wunderland und der Fliegenpilz hat mich dorthin getragen. Ob du es glaubst oder nicht, als Kind hab ich leider sehr wenig Zeit im Wald verbracht. Ein typisches Stadtkind, dessen Naturerlebnisse sich auf verwilderte Spielplatzbüsche und den „Hof“ reduzierten. Aber da war der Fliegenpilz und seine Faszination. Jetzt als Erwachsener, wird mir erst klar, dass er mich damals schon in den Wald getragen hat.

Die Magie der Fliegenpilze

Ich hab mich unlängst ein wenig genauer mit den bunten Waldgesellen beschäftigt. Es ist unglaublich wieviele Völker ihn genutzt haben, zum Teil als Nahrungsmittel und natürlich als bewusstseinserweiternde Quelle. Auch hier gilt wieder: keine Selbstversuche! Der Fliegenpilz enthält in seiner roten Haut stark wirksames Gift.

Seine vielen Namen sind Rabenbrot, Krötenpilz, Fliegenteufel, Krötenstuhl, Narrenschwamm, Krötenbrot,… Er heisst deshalb Fliegenpilz, weil man früher Fliegen mit ihm vergiftet hat. Interessant ist auch seine Verbindung zur Kröte. Du hast sicherlich schonmal die typischen Zeichnungen der Kröte unter oder auf dem Pilz gesehen. Die Kröte symbolisiert das Urweibliche, die Urmutter Erde – Gaia. Sie wird aber auch mit Hexen und der Anderswelt assoziiert und wartet nur darauf uns „vom Weg abzubringen“. So gesehen öffnet die Auseinandersetzung mit dem Fliegenpilz auf seelischer Ebene das Tor zu uns selbst, denn das „tief in den Wald gehen“ ist nichts anderes als seine eigene Seele wieder zu entdecken. Auch mit den Zwergen steht er stark in Verbindung, so wird auch das im Pilzhut gesammelte Regenwasser Zwergenwein genannt. Die Zwerge sind die Hüter der Schätze des Waldes. Sind wir klein wie sie, können wir in verborgene Bereiche vordringen.

Ein Männlein steht im Walde…

Heute wird der Fliegenpilz in der Homöopathie genutzt. Das Mittel Agaricus muscarius wird für Nervenleiden verwendet. Es hat einen großen Bezug zur spinalen Achse und kann bei gewissen Formen von Zuckungen, Krämpfen und unkrontrollierten Bewegungen erleichternd wirken.

Ich wünsche dir viel Spaß, beim Betrachten der wundervollen Waldwesen und beim Abtauchen in deine eigene Seelenwelt ❤

Die Zauberkräuter: Die Tollkirsche

Die Tollkirsche / Atropa belladonna

Sie ist die Dritte der drei Schicksalsgöttinen Klotho, Lachesis und Atropos. Die Erste spinnt den Lebensfaden, die Zweite teilt ihn zu und die Dritte schneidet ihn ab. Die Belladonna ist wohl die berühmteste unserer Giftpflanzen. Selbst die, die nicht viel über Pflanzen wissen, kennen sie. Kaum ein Elternteil, dass seine Kinder nicht vor den verlockend glänzenden Beeren warnt – gut so! Bereits zwei bis drei Beeren können für Kinder tödlich sein. Bei Erwachsenen ist ab der doppelten Menge mit ernsthaften Komplikationen zu rechnen. Von euphorischen Zuständen bis hin zur Atemlähmung und dem Tod. Christian Rätsch beschreibt in seiner Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen seine Erfahrungen mit der Tollkirsche. Von Selbstversuchen rate ich dringend ab!

Die „schöne Frau“ hat eine lange Geschichte. Kräuterkundige Frauen benutzten sie, um die rituelle Flugsalbe herzustellen. Cleopatra hat sie verwendet um ihre Pupillen zu erweitern, viel sehen konnte sie dann sicher nicht mehr :-). Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind beim Augenarzt Belladonna Tropfen bekommen habe, der genaue Zusammenhang ist mir aber entfallen. So eine Faszination hat die Pflanze, dass mir das geblieben ist, obwohl ich mich sonst an nicht mehr vieles erinnere. Wenn das Pflanzenreich wie ein Königreich gegliedert wäre, dann wäre die Belladonna die Königin. Bist du schon mal eine Weile vor der Pflanze gestanden? Probiere es mal aus, du beginnst ihre unglaubliche Kraft und Tiefe zu spüren. Sie zieht dich in ihren Bann. Und sie ist eine Meisterin der Tarnung! Es ist mir schon öfter passiert, dass ich einen Belladonnastrauch besuchen wollte und mich genau an den Platz erinnern konnte, doch ich fand ihn nicht mehr. Verschwunden, in Luft aufgelöst… Diese Eigenschaft der Tarnung wird meines Wissens in der Homöopathie nicht erwähnt, das wäre sicher interessant.

Die Blüte der Tollkirsche

Apropos Homöopathie: Die Belladonna in homöopathischer Dosis ist das großartigste Fiebermittel, dass ich kenne! Es ist unglaublich wie schnell sie hilft. Wenn meine beiden Kinder Fieberschübe haben und das Fieber sehr hoch ist, sodass schon Halluzinationen dazu kommen reicht eine einzige Gabe aus um sie wieder sanft in den Schlaf zu schicken. Das Fieber senkt sich, die Halluzinationen verschwinden. Ich persönlich verwende gerne C12 und C30, wenn du noch unsicher bist ob das Mittel für dich ok ist, dann verwende D12 oder D30. Es ist eines der wichtigsten Mittel in meiner homöopathischen Hausapotheke. Auch bei Gehirnhautentzündungen soll die Belladonna homöopathisches Mittel erster Wahl sein.

Ein ganzer Wald voller Belladonna

Sie wächst am liebsten da, wo geholzt wurde – sie bereitet also Neues vor und hilft Verlorenes und Altes loszulassen. Diese Stelle im Wald hab ich im Juni entdeckt ❤

Die Zauberkräuter: Das Bilsenkraut

Sie ist eine der ältesten Giftpflanzen Europas und sie hat viel zu erzählen. Die hoch giftige Pflanze war Zutat der Hexensalben, auch Flugsalben genannt, die zu bestimmten rituellen Anlässen von Kräuterkundigen Frauen verwendet wurden. Die Samen wurden zu berauschenden Zwecken verräuchert. Sie sind besonders giftig – bereits 15 Samen sind für Kinder tödlich. Man verwendete sie auch als Narkosemittel, zusammen mit Schlafmohn. Früher wurde Bier mit dem Bilsenkraut aromatisiert und man darf davon ausgehen, dass der Name Pilsener vom Bilsenkraut her abstammt. Das deutsche Reinheitsgebot war sozusagen das erste Antidrogengesetz Europas.

In der Homöopathie ist das Bilsenkraut unter dem lateinischen Namen Hyoscyamus niger bekannt und ein tolles Mittel bei Neuralgien und krampfartigen Beschwerden sofern auch das psychisch / seelische Bild des Patienten stimmig mit dem Mittel ist.

Die Begegnung mit solchen Pflanzen empfinde ich immer als etwas ganz Besonderes.

Da bei hoch giftigen Pflanzen das Kosten natürlich entfällt, versuche ich anders mit ihr in Kontakt zu treten. Das Fotografieren ist da eine gute Möglichkeit. Ich setze mich auch einfach gern neben die Pflanze und betrachte sie. Keine Fotos, nur blosses Betrachten. Sofern es mir möglich ist greife ich sie an und seh mir ihren Aufbau genauer an. (Das Angreifen ist nicht bei allen Pflanzen okay, der Fingerhut zum Beispiel ist so giftig, dass bereits über die Haut zu viele Alkaloide aufgenommen werden können.) So kann ich mit jeder Pflanze Kontakt aufnehmen, ganz egal wie giftig sie ist, ohne sie zu kosten oder sie zu verarbeiten. Generell finde ich, man muss nicht alles gleich mitnehmen und verarbeiten. Die Pflanzen können so viel Gutes für uns tun nur durch ihr Dasein an Ort und Stelle. Ich finde das wunderschön!

Vielleicht magst du mir von deinen Erfahrungen berichten mit, dir noch fremden oder giftigen Pflanzen, mit denen du auf diese oder eine andere Art und Weise in Kontakt getreten bist. Vielleicht träumst du von ihr. Das empfinde ich immer als eines der größten Geschenke, denn dann weiß ich, die Pflanze hat in mir etwas geheilt .

Viel Spaß beim Entdecken ❤