Der April öffnet die Tore in den Zauberwald

Schon als Kind war ich in Gedanken im Wunderland wie Alice. Pflanzen die sprechen und Superkräfte verleihen, Insekten als Freunde und Berater, eifrige kleine Zwerge die Bahnen bauen, buschige Hecken als Heim. Diese Zauberwelt war so real und ich erinnere mich genau, wie ich sie sah. Dieser Zauber ist mir bis heute geblieben – diese Tore haben sich (zum Glück) nie ganz geschlossen.
Der April ist der Monat, wo der Wald beginnt zu „ziehen“, hinein in seine Welt. Ich möchte dich gern ein Stück weit zu den Zauberpflanzen mitnehmen.
Die Eberwurz – Silberdistel

Die Silberdistel blüht erst später im Jahr. Doch ihre Wurzel wollte heute auf mein Stövchen und darum will ich dir von ihr erzählen. Sie wird auch Eberwurz genannt, was auf den Namen Aberwurz schließen lässt. Der Wortteil ist uns auch von der Eberesche bekannt (Aberesche = falsche Esche – Aberglaube = falscher Glaube). Wir haben es hier mit einer uralten Schutzpflanze zu tun, die mittlerweile unter strengem Naturschutz steht. (Ihre Wurzel kannst du über den Kräuterfachhandel beziehen)
Ihre Signatur erinnert an ein großes Auge. Sie wurde zum Schutz vor Dämonen, Hexen und Unheil aller Art über die Haustüre und in den Stall gehängt. Die Eberwurz galt als mächtiges zauberabwehrendes Mittel. Besonders wenn sie in der Walpurgisnacht oder zur Sommersonnenwende gegraben wurde, entfaltete sie ihre Kräfte. Auch galt sie als starkes Pestmittel zusammen mit dem Baldrian. Ein alter Spruch zum Ausgraben war:
„Eberwurz ich spreche dich an,
bist du Frau oder Mann,
behalte du deine Kraft und Saft
wie die liebe Frau ihre Jungfernschaft!“
Quelle: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
Wie die Silberdistel auf mich wirkt

Wenn ich sie im Hochsommer bei uns in Tirol entdecke, freue ich mich zutiefst. Sie berührt mich sehr. Ihr Anblick schenkt mir Mut und Freude. Ich kann gut nachvollziehen, dass die Silberdistel eine mächtige Schutzpflanze war. Ihr „Auge“ blickt tief in die eigene Seele. Wie wunderbar, dass wir sie noch entdecken können! Beim Räuchern entfaltet sie einen tiefwürzigen Duft. Fast „pilzig“ animalisch, bewegend und geistig anregend. Es ist, als würde ihr Auge vorm „Bösen Blick“ schützen und die guten Geister anziehen. Eine Pflanze die sehr stark beseelt ist, ein Fünkchen mehr und sie wäre im Tierreich zu finden ♥
Zauberpflanzen und Geschichten entdecken wir gemeinsam im Naturpfad im Mai
In die Zauberzeit von der Walpurgisnacht tauchen wir ein zum Fest Beltane im Jahreskreis



