Alle Beiträge von Nadine Bachler

Naturverliebt und wissensdurstig

Der Feinstrahl – Einjähriges Berufkraut / Erigeron annuus

Der Feinstrahl – Einjähriges Berufkraut / Erigeron annuus

Heute möchte ich dir gerne einen Neophyten vorstellen: Das Einjährige Berufkraut oder auch Feinstrahl genannt. Du kennst die hoch wachsende Pflanze sicher vom Wandern im Wald. Sie wird als invasiv beschrieben – das trifft allerdings nicht auf alle Gegenden zu. Mancherorts ist sie eher selten und bereichert mit ihren zauberhaften Blüten. Ich mag diese Pflanze sehr gerne. Ich finde sie bezaubernd, mit ihren zarten Blütenblättern und dem leicht bläulichen Schimmer der Blätter und Blüten, der vorallem beim Trocknen sichtbar wird.

Der bläulich, lilane Schimmer des getrockneten Krauts ist einfach zauberhaft.

Ich verwende den Korbblütler sehr gern. Ich finde es spannend mich einer Pflanze zu nähern, über die in unserer Kultur nicht viel beschrieben ist. Die Ureinwohner Nordamerikas nutzen sie bei Erkältungen, als Badekraut und gegen den „bösen Blick“. Daher kommt auch der Name Berufkraut: Es hat nichts mit dem Beruf zu tun sondern soll vorm berufen, beschrien oder verzaubert werden schützen. Kinder werden in dem Kraut gebadet um davon befreit zu werden.

Die zarten Blütenblätter des Feinstrahls.

Ich habe ein Bündel dieser Pflanze das ganze Jahr in der Wohnung hängen und es fühlt sich sehr gut an. Intuitiv hab ich es (bevor ich das von den Kindern wusste) zum Baden benutzt und bin total begeistert von dem zarten und wohligen Gefühl das es am und im Körper hinterlässt. Ein tolles Badekraut! Ich koche das ganze Kraut in Wasser auf und lasse es danach noch ca 10 Minuten ziehen. Den fertigen Absud geb ich dann ins Badewasser.

Doch auch als Tee getrunken wirkt es entspannend. Es soll bei Erkältungen helfen. Ich empfinde, dass es krampflösend und beruhigend wirkt. Es hat definitiv einen Bezug zur Haut und die Haut ist ja auch unser Schutz – der Schutz vor allem „Bösen“ und Einflüssen, die uns nicht guttun. Ich möchte heuer noch einen Ölansatz machen und es danach zur Salbe weiterverarbeiten. Eine richtige Schutzsalbe sozusagen 🙂 Auch verräuchert kann es werden um beschützend zu wirken und Böses zu vertreiben.

Viel Freude beim Kennenlernen dieser tollen, uns so reichlich beschenkenden Pflanze ❤

Der Quendel / Thymus serpyllum

der Quendel / Thymus serpyllum

Dieses kleine Pfänzchen hast du vielleicht schon einige Male beim Wandern getroffen ohne es bemerkt zu haben, denn es ist wirklich winzig. Der Quendel ist eine wahre Kraftpflanze , robust und Lebensenergie spendend gehört er für mich irgendwie zum August. Er wächst gerne in trockenen Waldwiesen und liebt die Sonne. Der Quendel gehört zur Familie der Lippenblütler und ist die wilde Form des Gartenthymians. Er enthält reichlich ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe und Vitamine.

der Quendel / Thymus serpyllum

Den winzig kleinen Quendel kannst du schnell und leicht liegend trocknen und ihn als Tee verwenden. Er ist ein starkes Hustenkraut: er ist auswurffördernd, antibakteriell, schweißtreibend, antiseptisch und harntreibend. In meinem Erkältungs- und Hustentee hat er seinen fixen Platz und ich möchte ihn nicht mehr missen. Eine feine Hustenteemischung ist zum Beispiel: Spitzwegerich, Huflattich und Quendel.

Der Alpen Steinquendel / Acinos alpinus wächst bei uns in Tirol auch.

Auch in der Küche verfeinert er Gerichte mit seinem feinen, dezenten Aroma. Er schmeckt nicht so intensiv wie der Gartenthymian, doch seine feine Note verzaubert. Du kannst auch ein tolles Gewürzöl mit ihm ansetzen. Super schmeckt er gemischt mit Dost – das zaubert ein einheimisch, mediterran schmeckendes Kräuteröl 🙂 (Lass die Kräuter ca. 2 Wochen in Olivenöl im Dunkeln durchziehen und schüttle das Glas jeden Tag.)

Ich wünsche dir noch ein schönes Lughnasadh ❤ Ich war heute im Wald um mich zu bedanken, für all die Geborgenheit, Heilung und Nahrung die uns Mutter Natur schenkt. Einfach schön ❤

Heute im Wald war die pure Geborgenheit anwesend…

Die Engelwurz / Angelica

Die Wald Engelwurz / Angelica sylvestris

Zu ihr habe ich wohl das emotionalste Verhältnis. Ich liebe diese Pflanze – sie ist für mich heilig, wenn man das so nennen kann. Lange, bevor ich wusste dass sie die Engelwurz ist, hat sie mich schon verzaubert mit ihrer unglaublichen Ausstrahlung. Der Name ist wohlverdient, denn sie hat wirklich etwas Engelsgleiches an sich.

Dolden beim Ausrollen – wie eine Mutter die ihr Kind hält 🙂

Sie gehört zur Familie der Doldenblütler und genaues Bestimmen ist hier das Um und Auf, wenn du etwas von ihr sammeln möchtest. Typisch ist der rötliche Stängel, die Blattform und der leichte Lilaton an dem Punkt, wo sich die Blätter teilen.

Der Stängel der Engelwurz ist bereift.
Die typische lila Färbung, an den Blattstielen.

In erster Linie wird ihre Wurzel für Heilzwecke verwendet. Sie wird im ersten Jahr im Herbst gegraben, bevor die Pflanze dann in ihrem zweiten Jahr blühen würde. Es ist also wichtig die Blätter gut zu kennen. Sie hat vieles an Inhaltsstoffen zu bieten: Gerbstoffe, Bitterstoffe und Ätherisches Öl. Die Wurzel wirkt magenstärkend, nervenstärkend, blutreinigend, schweißtreibend und aphrodisierend. Sie kann bei Rheuma, Gicht und grippalen Infekten Helfen.

Die Wurzel der Engelwurz

Am besten sammelst du die Wurzel im September oder Oktober. Säubere sie und trockne sie zum Kauen oder mach dir eine starke Tinktur mit 80% Ansatzkorn und lass sie 6 Wochen ziehen. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass sie hilft, wenn man große Umbrüche im Leben zu bewältigen hat. Sie hilft Übergänge besser zu beschreiten und gibt einem Halt, Kraft und Liebe (Selbstliebe stärkend).

Die Wald Engelwurz in voller Blüte

Sie bringt wieder Licht, wenn alles dunkel zu sein scheint. Ich hatte heuer in der Zeit des Corona Lockdowns wo wir komplett unter Quarantäne waren und nicht mal mehr in den Wald durften, einen Wachtraum, in dem sie mich begleitet hat. Früher glaubte man, sie kann vor der Pest schützen und sie beschützt Kinder ganz besonders.

Lerne sie kennen und mach dich selber vertraut mit ihr und ihrer unglaublich heilsamen Ausstrahlung ❤

Kräutersalz aus frischen Kräutern

Kräuter auf dem Bild oben: Schafgarbe; von links nach rechts: Dost, weiße Taubnessel, Wirbeldost, Brunelle;

Heute hab ich den Vorrat für Kräutersalz wieder aufgestockt. Das Salz ist so beliebt bei uns und ich verschenke soviel davon 🙂 . Ich ließ mich überraschen, was die Zutaten anging und streifte im Wald umher. Dabei raus kam: Schafgarbe, Dost, Wirbeldost, Weiße Taubnessel und Brunelle. Was für eine Kombi! Ich möchte euch gern kurz die Kräuter vorstellen, die im Salz gelandet sind:

Die Schafgarbe

Die Schafgarbe / Achillea millefolium ist eine großartige Heilpflanze. Sie verfügt über Ätherische Öle, die ihren unverwechselbaren Duft und Geschmack ausmachen. Sie hat ebenfalls Bitterstoffe und Gerbstoffe. Sie ist sehr wertvoll für den Darm, die Leber, den Magen und die Galle. Sie regt den Appetit an und weckt die Lebensgeister. Außerdem wirkt sie antiviral und antibakteriell.

Der Dost / wilder Oregano

Der Dost / Origanum vulgare ist unser wildwachsender Oregano. Die Wälder bei uns sind heuer voll von ihm ❤ . Er besitzt ebenso ätherische Öle die sehr gesund für unseren Darm sind. Er wirkt auch entspannend und anregend zugleich auf unser Nervensystem. Er regt den Appetit an und fördert die Verdauung. Ein tolles, wildes Würzkraut zum Start in deine Wildkräuterreise.

Die Weiße Taubnessel

Die Weiße Taubnessel / Lamium album ist eine große Frauenpflanze (keine Sorge: auch Männern tut sie gut). Sie wirkt schützend auf unsere Schleimhäute und ist sehr vitaminreich. Ihr Geschmack ist unverwechselbar: zart pilzähnlich – ein Hochgenuss.

Der Wirbeldost

Der Wirbeldost / Clinopodium vulgare ist eine so tolle Pflanze! Sie wirkt verdauungsfördernd und schleimlösend. Das besondere an ihr ist der Wirkstoff Betulin, dem nachgesagt wird krebshemmend zu sein. Geschmacklich erinnert sie an den Dost, nur ein wenig „minziger“. Mmmhh

Die Brunelle oder Braunelle (die violettblühende Pflanze im Bild)

Die Brunelle / Prunella vulgaris – klein aber oho, muss man zu dieser Pflanze sagen. Sie wächst gern in Wiesen, sogar mitten in der Stadt und ist ein richtiges Kraftpaket. Vorallem ihre stark antivirale Wirkung ist großartig. Sie kann bei Herpes Anfälligkeit sehr gute Dienste leisten, aber auch bei Hals- und Rachenentzündungen wirkt sie sich positiv auf unseren Körper aus.

Wie ich Kräutersalz am liebsten zubereite:

Es gibt unterschiedliche Arten Kräutersalz zuzubereiten. Zum Beispiel mit getrockneten Kräutern. Das geht flott und sieht auch nett aus, da Salz und Kräuter nachwievor getrennt sind. Meine Lieblingsart ist mit frischen Kräutern Salz zu bereiten. Erstens nimmt das Salz eine tolle grüne Farbe an und zweitens gehen die vollen Wirkstoffe der Kräuter in das Salz über. Genaugenommen gibt es noch einen dritten Grund für mich: das lange Verreiben des Salzes mit den Kräutern, wirkt stark auf die Sinne. Die Gedanken kreisen und gehen auf Reise, das ist sehr meditativ.

Wer mir auf Instagram (oder Facebook) folgt, den hab ich heute schon in den Stories beim Salzmörsern mitgenommen. Ich möchte dir hier gerne in Bildern die Schritte zeigen, die bei der Salzherstellung anfallen.

Zeit benötigst du etwa 1 1/2 Stunden und du brauchst grobes Salz, denn nur dieses lässt sich gut verreiben mit den Kräutern. Los Geht’s!

Viel Freude beim Nachreiben 😀

Mit allen Sinnen sammeln

Eine Wiese voller Echtem Labkraut (Galium verum)

Was für ein schönes Wochenende das war! Ich hatte wieder eine Kräuterwanderung am Samstag mit ganz wundervollen Menschen und gestern war ich alleine im Wald unterwegs. Ich hatte eine Mission – echtes Labkraut sammeln. Nicht für mich, sondern für eine Frau die an Brustkrebs leidet und Unterstützung zur schulmedizinischen Therapie sucht. Hier kann das Labkraut zusätzlich zur konventionellen Therapie wirklich gute Dienste leisten, denn es wirkt stark auf die Lymphe. Doch auch für die Psyche wirkt es erneuernd, Lebensenergie spendend und aufhellend. Eine so tolle Pflanze!

Ich ging also los, an dem Ort wo ich schon eine Weile nicht mehr war. Es war von den ersten Schritten an ein großes Verbundenheitsgefühl und ich war tief erfüllt von Dankbarkeit, diesen wundervollen Platz nach längerer Zeit wieder zu besuchen. Ich äußerte mit dem Ritual der Wertschätzung meine Bitte und fühlte mich gleich sehr geborgen. Bewusst hatte ich die letzten Jahre hier noch nie das gelbe Labkraut entdeckt. Ich ließ mich treiben, ging ein wenig querfeldein und stand unmittelbar vor einem riesengroßem Fleck voller Labkraut.

Auch Heilziest war anzutreffen – einfach schön 🙂

Sammeln mit allen Sinnen – das trifft es wohl am besten. Das ist es auch, was ich in den Kursen und Wanderungen, neben dem Wissen über die Pflanzen, den Menschen mitzugeben versuche. Öffne dich ganz, äußere deine Bitte und lass dich treiben. Vertraue deiner Intuition und benütze all deine Sinne beim Sammeln: Spüren, riechen, hören, sehen, schmecken – all das gehört zur Kräuterkunde dazu, all das macht dich zum Kräuterkundigen.

Ich weiß, es ist nicht immer leicht, sich so tief fallen zu lassen, aber du wirst sehen, dass es von Mal zu Mal besser geht. Und je nach deiner Tagesverfassung wird es dann Momente geben, da bist du eins mit dem Wald, eins mit der Wiese auf der du stehst und die Pflanzen rufen dich an die richtigen Plätze.

Diese Erlebnisse erfüllen mich mit so unendlich tiefer Dankbarkeit. Und ich weiß, dass ich das Richtige mache, das ich meinem Seelenplan folge ❤ Ich möchte euch noch gern ein paar Bilder von der gestrigen Sammelrunde dalassen und wünsch euch einen superschönen Wochenstart 🙂

Die Witwenblume hat Besuch.
Die faszinierenden Blüten der Pastinake.
Der Augentrost blüht auch schon.
Haselnussliebe 🙂
Der Seerosenteich
Wacholderbeeren in unterschiedlichen Reifegraden.
Das Brillenschötchen

Die Mahonie / Mahonia und wie du Gelee aus ihren Beeren machst

Die Mahonie im Frühling

Ein wunderschöner Neophyt ist sie – die Mahonie. Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika. Dort wurde sie auch als Heil – und Nahrungspflanze verwendet. Bei uns glauben viele sie sei durch und durch giftig. Das stimmt nicht ganz, denn die bereiften Beeren lassen sich zu einem Saft oder einem Gelee weiterverarbeiten und sind sehr gesund.

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Der Steinklee und die betörende Magie der Cumarine

Der betörende Duft des Steinklees kommt von den Cumarinen

Das Foto ist nicht ganz scharf, doch ich finde es so passend, wenn ich versuchen will zu beschreiben, was der Duft der Cumarine in mir auslöst. Wenn ich am Steinklee, am Labkraut oder am Waldmeister rieche, beamt es mich geradewegs kurz in den Himmel. Ich empfinde den Geruch als erfrischend, Lebensenergie spendend, betörend, beruhigend, schmerzlindernd und krampflösend. Er regt mich zum Träumen an und macht mich durch und durch glücklich.

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Die Schafgarbe / Achillea millefolium

Die Schafgarbe / Achillea millefolium kann auch rosa blühen

Sie ist heuer eine der wichtigsten Begleiterinnen für mich – die Schafgarbe. Es ist so schön zu lauschen, welche Pflanzen für einen wichtig sind. Letztes Jahr war es der Mohn, vorletztes Jahr die Disteln und heuer ist es die Schafgarbe, die meine Verbündete ist.

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Die Königskerze / Verbascum

Die Königskerze / Verbascum – die wunderschönen Blüten

„Gehe aufrecht – bleib mutig.“ Das scheint sie zu sagen – die Königskerze. Sie gehört zur Familie der Braunwurzgewächse. Ihre majestätische Ausstrahlung ist wunderschön! Und sie weiß, dass sie etwas besonderes ist: Man erzählte sich, dass sie um ihre Heilkräfte gebeten werden will! Auch ich hatte ein Erlebnis, dass das bestätigt. Ich wollte unlängst ein paar Blüten einer wunderschönen Königskerze mitnehmen und rutschte unmittelbar vor ihr aus. Sofort dachte ich an die Überlieferungen. Ich bin generell der Meinung, man soll sich auf die Pflanzen vorher einstimmen. Wenn ich alleine bin beim Sammeln, liebe ich es ein kleines Lied zu summen oder ein spontan selbstgedichtetes „Gsatzl“ zu sprechen. Da kamen schon lustige Dinge raus: „Liebes Labkraut sei so fein, heile alle Leiden mein. Heile alle meine Lieben mit deinen frischen Trieben…“ usw.. 🙂 Die Blüten blühen immer nur kurz, dann öffnen sich die nächsten. Du brauchst also etwas Geduld beim Sammeln. Trockne die Blüten schnell, denn sie verderben leicht und bewahre sie in einem Schraubglas auf, denn sonst ziehen sie Feuchtigkeit an.

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Über die MAgie von Plätzen und die Verbundenheit

Manche Plätze rufen einen. Manche Plätze bedeuten etwas Besonderes in deinem Leben. Manche Plätze sind so fremd und doch so vertraut.

Die letzten zwei Wochen waren sehr turbulent und zugleich wunderschön. Ich hielt die beiden ersten Kräuterwanderungen seit dem Coronalockdown und bin sehr glücklich darüber, dass wieder ein wenig Leben ins Seelenhaus kommt. Ich merke auch, dass ich mehr Zeit für die Dinge und Erledigungen brauche als noch vor ein paar Monaten. Der Lockdown und das Burnout haben mich gelehrt, langsamer zu gehen, gütiger zu mir selbst zu sein und ehrlicher, was meine Grenzen angeht. Das ist megaschön!

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